Portrait: Autorin Magdalena Adams

„Nacht und Schatten“ lautet der Titel der aktuellen Preisträgergeschichte des Jugendliteraturwettbewerbs der Gemeinde Stockstadt. Verfasserin ist Magdalena Adams aus Gernsheim, Klasse 10f. Die Kurzgeschichte handelt von einem Widerstandskämpfer während der NS-Zeit, der mit Parolen wie: NIEDER MIT HITLER, oder WEG MIT DER NAZIBRUT auf die Grausamkeiten der damaligen Zeit aufmerksam machen will und damit bis an die äußersten Grenzen seiner Möglichkeiten geht, denn dieser tapfere Held stirbt am Ende einer wirklich dramatischen und ergreifenden Geschichte.

Um mehr über unsere Mitschülerin, die als Autorin so erfolgreich ist, dass sie den Wettbewerb schon zum zweiten Mal gewonnen hat, zu erfahren, habe ich für euch ein Interview geführt.

An dieser Stelle bedanke ich mich nochmals bei Magdalena. Viel Spaß beim Lesen.

Was schreibst du für Texte und mit welchem Alter hast du angefangen zu schreiben?

Am liebsten schreibe ich Fantasy oder meine eigenen Erlebnisse. Was ich allerdings auch sehr gerne schreibe, sind Geschichten mit einem historischen Hintergrund. Angefangen, mir Geschichten auszudenken, habe ich schon sehr früh. Bevor ich schreiben gelernt habe, habe ich meiner Familie immer wieder eigene Geschichten erzählt. In der Grundschule habe ich schon gern kleinere Geschichten geschrieben.

Wie kamst du zum Schreiben?

Mich hat es schon sehr früh fasziniert, die Möglichkeit zu haben, sich eine komplett neue Welt auszudenken und andere voll und ganz daran teilhaben zu lassen, oder – wenn es um eigene Erlebnisse geht – dem Leser die Möglichkeit zu geben „Ich“ zu sein, ihm also ein anderes Leben näher zu bringen, fast so nah, wie das eigene.

Wie war es (gleich zweimal hintereinander) den ersten Preis beim Jugendliteraturwettbewerb zu gewinnen? Hast du damit gerechnet?

Es war auf jeden Fall eine wunderschöne Erfahrung; vor allem, da die anderen Preisträger (auch die Erwachsenen) sehr interessiert an meinen Geschichten waren. Damit gerechnet habe ich nicht – konnte ich nicht – ich hatte keine Ahnung, wie viele Jugendliche mitmachen, geschweige denn, wie ihre Texte sind. Einer der Juroren hatte übrigens meinen Beitrag versehentlich dem Erwachsenenwettbewerb zugeordnet. Trotz der überregionalen hochkarätigen Konkurrenz, wäre ich hier auf den dritten Platz gekommen.

Hast du schon bei anderen Wettbewerben teilgenommen? Und warst du dort erfolgreich?

2011 habe ich am „Nachwuchspreis Grüner Lorbeer“ der Eckenrothstiftung für Medienkultur teilgenommen und war auch erfolgreich. Ich war eine der zehn Besten aus über 200 Teilnehmern. Seitdem darf ich als Stipendiatin an einem Schreibtraining in der Stiftung teilnehmen, was ich ungefähr alle zwei Monate bei einem Wochenende in Eckenroth wahrnehme.

Was machst du außer dem Schreiben?

Neben dem Schreiben – was ich auch in meiner Freizeit regelmäßig mache – bin ich eine leidenschaftliche Musikerin. Ich spiele Gitarre, Klavier und Querflöte und singe auch, deshalb bin ich in einigen musikalischen Schul-AGs engagiert.

Ist es dein Berufswunsch Autorin zu werden? Oder was möchtest du sonst machen?

Ehrlich gesagt, habe ich noch keine konkreten Zukunftspläne, aber ich glaube eher nicht, dass ich hauptberuflich Autorin werde – bestimmt schreibe ich jedoch nebenbei weiter!

Bist du sehr interessiert in das Thema „Zweiter Weltkrieg“, oder warum hast du dieses Thema in deiner letzten Gewinnergeschichte gewählt?

Das Thema des letzten Wettbewerbs war „Vor der Revolution“ – ein schwieriges Thema. Ich habe mir in dieser Zeit sehr viele Gedanken darüber gemacht: Was für eine Revolution? Eine fiktive? Eine reale? Vielleicht auch eine gescheiterte? Es gab so viele Optionen und trotzdem konnte ich keine klare Idee greifen. Dann habe ich irgendwann mal von der „Grundidee“ geträumt und ich war von dieser Geschichte so ergriffen, dass ich einfach daran weitergeschrieben habe. Natürlich bin ich an diesem Thema auch sehr interessiert und habe mich schon davor darüber informiert, das war bestimmt auch ein Grund, warum ich schließlich darüber geschrieben habe.

Und hier nun ein Ausschnitt aus Magdalenas Geschichte „Nacht und Schatten“

Ich liege in meinem Bett. Um mich herum ist alles dunkel und das einzige, was ich höre ist das gleichmäßige Atmen meiner Frau, die neben mir liegt. Leise, um sie nicht zu wecken, stehe ich auf, ziehe Schuhe und Mantel an, nehme meine Tasche, die ich schon am Abend gepackt habe, und taste mich zur Tür. Ich verlasse das Schlafzimmer, lege eine Hand an die grob verputzte Wand und taste mich in Richtung der Haustür. Draußen beleuchtet der Halbmond die Straßen der nächtlichen Stadt, vereinzelt brennen auch einige Gaslampen und erhellen die größeren Straßen und Plätze. Ich wende mich nach links und gehe zügig die Straße entlang. Mein Vorhaben in unmittelbarer Nähe zu meinem Haus durchzuführen, wäre glatter Selbstmord, deshalb muss ich erst einmal mein Viertel verlassen. Und es darf mich keiner sehen, das ist das Wichtigste, doch nach so vielen „Nacht- und Nebelaktionen“ bin ich geübt darin, mich leise durch die nächtliche Stadt zu bewegen. „Das dürfte weit genug sein“, denke ich nach gut zehn Minuten Marsch. Ich öffne meine Tasche und suche nach meiner roten Farbe – da höre ich Stimmen! Sie werden schnell immer lauter. Mein Herz setzt einen Schlag aus. Schnell husche ich in eine dunkle Seitengasse und drücke mich dicht an die Wand. Wenige Sekunden darauf erscheinen zwei Männer in Uniformen. Sie torkeln sichtlich betrunken die Straße entlang und lallen vor sich hin. Doch plötzlich bleibt der eine – genau an der Straßenecke stehen und dreht sich in meine Richtung. Er kommt immer näher und starrt zu mir. Mein Herz schlägt so schnell, als wolle es explodieren. Der Soldat öffnet den Mund. In meinen Ohren klingen schon seine Worte, ohne dass er diese ausgesprochen hat: „Was machen Sie hier? Taschen ausleeren, sofort!“ Fieberhaft suche ich nach einer Ausrede, obwohl ich weiß, dass es keine gibt. Doch zu meinem großen und freudigem Überraschen sagt der Soldat nichts. Er starrt nur weiter mit geöffnetem Mund in die Gasse, in der ich – immer noch an die Wand gepresst – stehe. Hat er mich nicht entdeckt? Wenn nein, dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, denn mein Herz schlägt so laut, dass es jeder in der näheren Umgebung hören muss. Mit einem Mal beugt der Soldat sich nach vorne und übergibt sich auf das Kopfsteinpflaster. Dann dreht er sich um und torkelt seinem Freund hinterher. Erleichtert atme ich auf und mein verkrampfter Körper entspannt sich wieder. Ich bleibe stehen, bis ich die Männer kaum noch hören kann, greife in meine Tasche und ziehe den Behälter mit roter Farbe und einen Pinsel heraus. Ich bewege mich vorsichtig auf die Ecke zu und bin darauf bedacht, nicht in das Erbrochene zu treten. Bevor ich wieder auf die größere Straße gehe, spähe ich vorsichtig um die Ecke. Niemanden erblickend trete ich aus dem Schatten der Gasse, öffne den Farbbehälter und tunke den Pinsel in die blutrote Farbe. Blutrot. Rot wie Blut. Rot, wie das Blut derer, die seinetwegen verfolgt, gefoltert und getötet werden. Mit fließenden Bewegungen schreibe ich drei kleine Wörter an die Wand. Doch so klein sind diese Worte gar nicht. Sie sagen die Wahrheit und können mich sogar das Leben kosten. Die noch feuchte Farbe verläuft etwas, doch es ist noch bestens zu lesen.

NIEDER MIT HITLER

Schnell stecke ich meine Utensilien zurück in meine Tasche und renne los…

Bei Interesse an einer Fortsetzung der Geschichte, bitte Magdalena oder die Redaktion der SZGG kontaktieren.

 

 

Foto: Robert Heiler